Mobiler Alltag: Das sprühende Leben

Seine Graffiti zieren viele Wände – ganz legal. Für seine Aufträge ist der Künstler Sizetwo ständig unterwegs. Gut, dass der Profi-Sprayer lange Autofahrten liebt.

Graffiti sind aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenken. Die bunten Bilder, Schriften oder Zeichnungen sind schon lange nicht mehr ausschließlich illegal. In vielen Städten werden sogar freie Flächen dafür zur Verfügung gestellt, Werbungen gesprayt und die Kunst bewusst eingesetzt, was gleichermaßen für Gesprächsstoff und Faszination sorgt.

Einer, der aus seinem Hobby, dem Sprayen, einen Beruf gemacht hat, ist Benjamin, mit Künstlernamen Sizetwo. "Ich war ein Spätstarter mit 17 Jahren, denn die meisten starten schon mit 13", lacht der Grazer, der sich nicht gerne ­öffentlich zeigt.

Grafitti-Hotspot Berlin

Nach den Anfängen in der Heimat bricht er mit Mitte 20 nach Berlin auf, dem Hotspot der Szene. Noch naiv, aber ambitioniert, perfektioniert er sein Handwerk, knüpft Kontakte und ­beginnt bei einer Agentur zu arbeiten. Er erkennt, dass er mit seiner Leidenschaft auch Geld verdienen kann. Gemeinsam mit seinen Kollegen bemalt er Häuserseiten, das größte Projekt ist eine 1.500 m² große Werbefläche für einen Film – so fotorealistisch, dass Vorbeigehende dachten, es wäre ein Plakat. "Manchmal sind wir zu gut, die Leute können gar nicht glauben, dass es gesprayt ist", erzählt der 35-Jährige. Nachdem er in Deutschland viel dazugelernt hat, zieht er wieder nach Graz, wo er heute nahe seiner Wohnung sein Atelier hat.

In ganz Europa unterwegs

Mittlerweile wird seine Agentur "UP Agency" für Aufträge in ganz Österreich engagiert. Besonders oft ist er in Linz, Salzburg und Wien, wo er kürzlich eine große Hauswand zur Werbetafel umfunktionierte (siehe Bild). Dafür nutzt er eine Hebebühne, aber lieber arbeitet er am Gerüst. "Eine Woche am Gerüst ist wie ein Monat Fitnesscenter" grinst er.

Zu seinen Aufträgen fährt er mit seinem schwarzen Volvo Kombi V60: "Da passt gerade noch alles rein." Damit meint er seine Kisten voller Spraydosen. "Anders könnte ich mein Equipment kaum transportieren."

Jam-Session

Neben den diversen Auftragsarbeiten fährt er auch mehrmals im Jahr zu Veranstaltungen, sogenannten "Jams", nach Deutschland, vor allem nach Leipzig und Dresden, aber auch in andere Länder. "Da bin ich oft der einzige ­Österreicher", lacht er. Dabei macht es ihm nichts aus, stundenlang allein im Auto zu sein: "Ich bin ein leidenschaftlicher Autofahrer, mein Auto ist fast wie ein weiteres Körperteil, ich verschmelze quasi damit, ebenso mit meinem Motorrad", sagt er und ergänzt: "Es bedeutet für mich Freiheit, ich bin auch gerne der einsame Wolf auf der Straße."

Selten lässt der Künstler seine Dosen daheim. Erstmals bei einer Motorradtour letztes Jahr, da hat er "Urlaub vom Graffiti" gemacht.

Strecken und Kosten


Strecken: Von Graz nach Wien, Linz, Salzburg. Mehrmals pro Jahr zu Events in ganz Europa, vor allem nach Deutschland.
 Auto/Kosten: Volvo Kombi V60 Diesel, BJ 2015. Versicherung 1.400 €/Jahr; Tankkosten ab 95 €/Monat.
Hobby: Motorradfahren (mit seiner ­Honda Hornet, BJ 2004), Mountainbiken.
Gefahrene km/Jahr: rund 40.000.