Reise-Riesin mit Radar

Die neue Moto Guzzi Stelvio ist ein charismatisches Motorrad, im Kern ganz anders als die anderen Reiseenduros. Ein Bericht von Karin Mairitsch.

Oho! Bereits beim Anstarten spürt man, erlebt man, weiß man: Das ist eine Moto Guzzi! Die leichte Seitwärtsbewegung der ­Zylinder, der unverkennbare Sound des typischen V2-Motors, die dezenten Vibrationen. Ja, hier bin ich richtig, hier bin ich die Kapitänin, das ist mein Schiff. Klack, rein mit dem ersten Gang und nichts wie raus aus der Stadt.

Windschild, Fahrmodi, Tempomat…

Auf der Autobahn Richtung Norden gleich einmal die erste positive Überraschung: das elektrisch höhenverstell­bare Windschild. Sehr praktisch, sehr funktionell und mit dem linken Daumen einfach bedienbar. Rauf, runter, rauf, runter. Das Cockpit versorgt uns mit sinnvollen Informationen, neugierig wird durch die fünf Fahrmodi geklickt, die auch manuell konfiguriert werden können.

Sobald der serienmäßige Tempomat auf Reisegeschwindigkeit eingestellt ist, kehrt auch bei mir Ruhe ein. Nun ziehen die Kilometer entspannt vorbei und auch die Guzzi cruist bei ­höheren Geschwindigkeiten spurtreu dahin. Freiheit verschafft sich dank der 115 Pferdestärken ihren Weg. Das Navi weist uns den Weg über Piktogramme. Wer benötigt schon detaillierte Landkarten?

Radar an Bord

Motor, Handling…

Irgendwann, viele Kilometer später, begeben wir uns in das Land der Kurven. Der Motor, der übrigens auch in der Moto Guzzi Mandello verbaut ist, hat erwartungsgemäß ausreichend Kraft im unteren Drehzahlbereich. Er ist ­modern, flüssigkeitsgekühlt und selbstverständlich ein längs eingebauter 90-Grad-V2.

Die Bremsen arbeiten einwandfrei und druckvoll, ABS und Traktionskontrolle reagieren schräglagenabhängig. Und auch wenn Guzzis Touring-Riesin nicht gerade ein Leichtgewicht ist, so lässt sie sich dennoch erfreulich sportlich und agil bewegen.

Was wir außerdem mögen:

Die optionale Sitzheizung sowie das Radarsystem der neuen Stelvio, das zuverlässig vor möglichen Objekten im toten Winkel und Kollisionen warnt. Auch die damit verknüpfte Abstandskontrolle bei aktiviertem Tempomat funktioniert tadellos.

Die Konkurrenz:

Mit einem Listenpreis von € 18.000 ist die Stelvio um € 6.000 günstiger als die KTM 1290 Super Adventure S, um € 3.500 günstiger als die noch verfügbare Basisversion der BMW R 1250 GS, um € 3.100 günstiger als die Honda CRF1100 Africa Twin und um € 1.800 günstiger als die Ducati Multistrada V4. Im Vergleich zur Suzuki V-Strom 1050 ist sie um € 1.500 teurer.

Finaler Exkurs:

Und zu guter Letzt, für alle die es noch nicht wissen: Der Name Stelvio stammt vom gleichnamigen Gebirgspass in Nord-Italien, dem zweithöchsten asphaltiert befahrbaren Punkt der Alpen, der auf 2.758 Meter Seehöhe über die legendäre Stilfser-Joch-Passstraße die Lombardei mit Südtirol verbindet.